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Mallorquin, Katalan, Kastilisch: die groben und die feinen Unterschiede

Mallorquin, Katalan, Kastilisch

Vielen Urlaubern und Besuchern Mallorcas stellt sich die Frage: was wird denn nun auf der Insel gesprochen? Spanisch oder diese unbekannte Sprache, die Mallorquin oder Mallorquinisch genannt wird?

Sprachgeschichtlich ist das Thema nicht sonderlich kompliziert. Das Mallorquinische ist eine (dialektale) Variante des Katalanischen. Das Katalanische, das im Land Katalonien (eine der autonomen Regionen Spanieiins) gesprochen wird, entwickelte sich genauso wie das Spanische im Mittelalter ausgehemd von der Vermischung der damaligen Landes- oder "Vulgärsprache" mit dem "gehobenen". In Kastilien (also um Madrid herum) entwickelte sich das Kastilisch, das später aufgrund seiner politischen Bedeutung (Entdeckung Amerikas) Spanisch genannt wurde. Im Königreich Kataloniens (zu dem damals auch Mallorca gehörte und sogar ein Teil Sardiniens) entwickelte sich das Katalanische.

Aufgrund der Entdeckung Amerikas gewann das Kastilische Spanisch an Gewicht, bei der Zusammenlegung des kastilischen und katalanischen Königreiches wurde dann Kastilisch die dominante Sprache. Das Katalanische wurde Familiensprache, unter der 40jährigen Diktatur Francos im 20. Jahrhundert wurde es oft verfolgt. Auf Mallorca wurde der entsprechende Dialekt Mallorquin ebenfalls unterdrückt, lebte aber in der Familie weiter (Mallorca qurde im Laufe seiner Geschichte häufig erobert und hat dementsprechend einen Anpassungscharakter entwickelt: schnelle Anpassung bei bleibendem Widerstand sind seine Merkmale). Katalonien war im 19. und 20. Jahrhudert Industrienation, vor allem im Bereich Textilien (und wird immer noch als wenn auch schwächelder industrieller Motor Spaniens angesehen), Mallorca hingegen eine Agrargesellschaft, die erst in den 60er Jahren für den Tourismus entdeckt wurde. Erst ab diesem Zeitpunkt spielten die Baleareninseln dann eine gewisse Rolle in Spanien.

Der Tourismus auf den Balearen war jedoch auf die Küstengebiete reduziert. Dort entstand ein reger Austausch zwischen Mallorquinern, Spaniern (Zuwanderern, die in Restaurants, Hotels und allgemein im Tourismus tätig waren) und europäischen Ausländern. Das Inland blieb bis in die 90er Jahre relativ geschlossen.

Welchen Einfluss hatte dies auf die Sprache? Nach Franco (Mallorca war grösstenteils Anhänger) und im Laufe der Unabhängigkeisbewegung gewann das Mallorquinische che an Gewicht. Dank der spanischen Verfassung von 1978 wurden neben dem Spanischen auch die Regionalsprachen Amtssprache (was zu nicht wenigen Problemen führt). Auf Mallorca bedeutet dies, dass plötzlich das Mallorquinische (als lokale aber freie Variante des Katalanischen) offiziell von Politikern, Dorfpolizisten und in Schulen verwendet wurde. Viele Ausländer verstanden diesen Prozess nicht, sahen es als engstirnige Tendenz, wo man sich doch in der Weltsprache Spanisch verständigen konnte; Festlandspanier sahen sich brüskiert, verlangten, auf Spanisch angeredet zu werden, forderten Respekt vor ihrer "Minderheit". Lange Diskussionen und Streitereien waren die Folge.

Augenblicklich hat sich die Lage beruhigt, die Ansicht durchgesetzt, dass es eben doch eine zweisprachige Gesellschaft ist. Erkennt ein Mallorquiner, dass sein Gegenüber kein Mallorquin kann (was man z.B. bei der Begrüssung eines Unbekannten ja nicht auf Anhieb sehen kann wenn die Begrüssung mit "hola" erfolgt, identisch im Spanischen und Mallorquinischen), wechselt er ins Spanische. Und wird ein Festlandspanier auf Mallorquin begrüsst, erklárt er eben kurz, dass er kein Mallorquin kann. Wenn dieser Austausch ehrlich ist, gibt es keine Kommunikationsprobleme. Ist er aber nicht ehrlich (manche Mallorquiner reden weiter auf Mallorquin oder untereinander auf Mallorquin im Beisein eines der Sprache nicht Mächtigen; manche Spanier sagen, nichts zu verstehen, obwohl man mit etwas Interesse in einer Woche die ersten Sätze in der mallorquinischen Sprache erzeugen kann; man stelle sich vor, ein Engländer mein, einen Amerikaner nicht zu verstehen), gibt es Probleme.

Grundsätzlich ist aber folgendes zu beachten:

- Vor allem im Inselinneren wird untereinander Mallorquinisch gesprochen

- Mallorquiner sind des Spanischen mächtig, bei älteren Menschen und im Inland hapert es jedoch ein wenig mit der Festlandsprache

- Untereinander sprechen Mallorquiner tendentiell Mallorquinisch, auch wenn andere in der Runde Spanisch vorziehen würden; es ist nicht unbedingt als unhöflich zu werten, sondern als etwas "ländlich"

- Um sich wirklich zu integrieren, sollte man Mallorquinisch sprechen

- Dem Spanischen stehen die Mehrheit der Mallorquiner nicht negativ gegenüber, es ist aber die Sprache Madrids: damit werden Geschäfte gemacht, aber wenn es auf Mallorquin geht, besser.

- Dem Katalanischen stehen viele Mallorquiner negativ gegenüber, da die katalanische Unabhängigkeistbewegung die Balearen als sprachliches Einflussgebiet der katalanischen Sprache ansieht (aufgrund des Königreiches Kataloniens; auch Valencia gehört dazu, was zu vielen Streiteren zwischen den Bundesländern führt); viele Mallorquiner empfinden dies als politisch tendentielle Auffassung, die als imperialistisch eingestuft wird.